Sonntag, 12. August 2012

Lange Strecken

Leider hat uns Fonic auf dem Trocknen sitzen lassen. Trotz guter Vorbereitung habe wir keine Datenverbindung, weil Fonic wohl allgemein das roaming unterdrückt hat. Ein Hoch auf kostenloses Wifi im Hafen. Warum das Internettheater? Wir sind mittlerweile in Dänemark. Aber der Reihe nach.

Die Abfahrt von Stralsund am 10.08. war zwar früh, aber ganz entspannt. 8:20 Uhr durch die Ziegelsteinbrücke und rein nach Neuhof, tanken. Weil wir den Meister der Tankstelle nicht gleich fanden, ging Harry zum Hafenmeister. Von dort kam er mit weiteren Informationen - und einem Brief an uns zurück. Meine Eltern sind die absolute Messe. Heimatpost, wie schön. Danke dafür.
Nach dem Tanken gings weiter, Richtung Greifswalder Bodden. Unsere Tageseinstellung: mal sehen, wie weit wir kommen. Der Wind war mit Stärke 4 angesagt, damit können wir gut umgehen. Als wir sehr früh am Greifswalder Bodden waren, entschieden wir uns für das neue Ziel Saßnitz. Auf der Ostseite Rügens erwartete uns viel, vor allem viel Wind. Der Windmesser steigerte sich auf 12 m/s, in Spitzen auf 14 m/s. Umgerechnet 6 Beaufort, in Böen 7. Schönen Dank auch ;-)

Harry eingemummelt und hart am Wind
 Wir kamen so gut voran, dass wir Saßnitz vorbeisausen ließen und es letztlich bis Lohme schafften. Angekommen (hübscher, verträumter Naturhafen), Segelsachen vom Leib und Essen gehen. Nach der Völlerei ging nur noch eins: schlafen. Nach 51 Seemeilen und über 10 Stunden Fahrt waren wir so gut wie "klinisch tot".
Hafen Lohme
 Trotz allem (Müdigkeit, Muskelkater, usw) ging es zu moderater Zeit am 11.08. wieder los. Dänemark - wir hatten uns entschlossen und wollten es auch durchziehen. Raus aus dem Hafen und die ersten 10 Seemeilen rund Kap Arkona vergingen wie im Flug. Mit 6 Knoten (Seemeilen pro Std.) flogen wir gut durchs Wasser ... und dann schlief der Wind ein. Der Rest wurde mit Motorkraft bewältigt. Wie öde! Aber Zeit für ein Frühstück:


Die See wurde immer platter, die Schiffe ringsherum immer größer, beeindruckender.


Die Zeit zog sich endlos hin. Wir wechselten uns mit dem Steuern ab, es war einfach zu langweilig.
Navigation ist und bleibt meine Lieblingsaufgabe, das gebe ich nicht ab:



 Aber: wir sind angekommen. Jetzt dümpeln wir im Hafen von Klintholm, gemießen die nordische Beschaulichkeit und erholen uns erstmal bis morgen, Montag. 
Hafen Klintholm - was für eine Ruhe ...
 Wo es dann hingeht? Beständig Ostwind ... also in kleinen Schritten weiter Richtung Westen, an Dänemarks Inseln entlang.

Und nicht zu vergessen: der gestrige dänische" Sonnenuntergang :-)



Donnerstag, 9. August 2012

Landratten II

Stralsund Cityhafen ... ein schöner Hafen vor der Altstadt der mittlerweile wieder schönen Hansestadt.
Da Harry immer noch sehr angeschlagen war, wurde weiterreisen gestrichen. Statt dessen Frühstück und kurzer Stadtbummel zum Yachtbedarf - Karten für die Südküsten Schwedens und Dänemarks kaufen *zwinker*  Die Karten schnell zum Boot gebracht und ein richtiges Schiff angesehen.


Die "Gorche Fock" liegt im Nachbarbecken. Mitten in der Restaurierung läuft der Besucherverkehr weiter - Geld muss her. Es war schon beeindruckend, diese Ausmaße, die Masthöhe, das Steuerrad, die Höhe des Freibord (Oberkante Schiff bis Wasseroberfläche).

Links: Posieren vor einem "richtigen" Schiff.

Rechts und unten:
Ich hatte vor dem Museumsteil der Ausstellung alte Seekarten entdeckt. Sie waren aus den Jahren 1950-1996. Und in Russisch! Meine Begeisterung war riesig. Alle waren, wie man an den Eintragungen sah, in Gebrauch der russischen Besatzung gewesen. Schön abgegriffen, mit diversen Vermerken. Was für eine Aufregung :-)


Nach der Rückkehr hieß es "schlafen und gesund werden" für Harry und "Waschtag" für Katrin. Super, meine Begeisterung hielt sich sichtbar in Grenzen:





Zum Ausruhen kam ich dadurch leider nicht. Dann eben später. Irgendwann.

Am Nachmittag ging es erneut zum Lebensmittelhändler. Leere Flaschen weg, frische Sachen (Brot, Obst, Kaffee) hin. Danach lecker essen beim Italiener direkt am Hafen und Vorbereitung der nächsten Segeltage. Ob der Plan aufgeht, wissen wir nicht. Der Wind bestimmt, wie weit und wohin wir kommen. Grobe Richtung ist, mit Zwischenaufenthalten an Rügens Ost/Nord-Küste, die Südküste Schwedens (Klintholm, Ystad, o.ä.).
Zum heutigen Abschluss mal wieder ein Sonnenuntergang - diesmal über dem Cityhafen von Stralsund:




Mittwoch, 8. August 2012

Tag der Fahranfänger?

Mittwoch, 08.08.12 -was für ein Schei...tag.
Nach dem Frühstück haben wir lange überlegt, ob überhaupt und wenn ja, wohin segeln. Harrys Erkältung setzte ihm ordentlich zu, ich hatte mir beim Sturz im Niedergang den Finger gestaucht, beide waren wir noch sehr müde. Voll einsatzfähig war also keiner von uns beiden, wir hätten bleiben sollen. Trotzdem wollten wir weiter - die Strafe folgte auf den Fuß - Semeile für Seemeile. Der Wetterbericht hatte dummerweise Recht behalten - Windstärke 5, mit Böen in 6. Es sollte von Vitte auf Hiddensee in den Süden nach Barhöft oder Stralsund gehen. Das erste Disaster hatten wir bereits noch im Hafen. Ich wies Harry auf die falsche Seite der privat ausgelegten Bojen und wir saßen fest. Hiddensee ist ein Synonym für Flachwasserbereiche mit unter einem Meter Tiefe. Und wir saßen nicht nur fest wie "Motor aufdrehen und wieder ins Tiefe schieben". Nein, wir saßen richtig fest - in Schlick und Seegras eingefressen. Erst von den Stegen aus das große Staunen, was wir da angestellt haben, dann interessiertes Zuschauen, wir wir zu zweit versuchten, das Boot mit Ruck und Schwungholen etwas auf die Seite und damit vom Kiel zu holen, dann - Schlauchboot starten und uns zur Hilfe kommen. Danke, da kamen zwei Männer, die wirklich Ahnung hatten. Erst versuchten sie, das Boot aus der Untiefe zu ziehen. Sie brachten eines unserer langen Enden (Seile) an den nächsten Steg und dort zog man mit allen, die dort standen. Nichts, nicht ein Zentimeter. Nächste Idee. Das Großfall (= Leine, die sonst das Großsegel nach oben zur Mastspitze zieht) vom Segel lösen und an das Ende, das schon zum Steg ging, mit einem "Abschleppknoten" anknoten. Als nun vom Steg aus gezogen wurde, wurde das ganze Boot dadurch auf die Seite gelegt, damit auch der Kiel, Motor aufdrehen und das Boot war frei. Freudenfest unter den Stegzuschauern und Erleichterung bei uns. Also nochmal unter (natürlich) dem Spott unserer Helfer angelegt und das Boot wieder klargemacht. Eigentlich waren wir jetzt schon sehr geschafft, die Macherei war anstrengend. Aber - bloß weg hier. Unter Motor ging es Richtung Süden. Jegliche Segelversuche unterwegs schlugen fehl. Der Wind war selbst mit nur dem Vorsegel zu stark, die See zu rauh, die Fahrrinne an diversen Stellen so breit, das man genau Kurs fahren musste - für unsere eh schon angespannten Nerven keine gute Mischung. Wieder großer Kraftverschleiß beim Segelsetzen, Segel einholen, Motor hoch, Motor runter. Da ich das erste mal mit dem nun funktionierenden Plotter navigierte, jagte ich uns durch eine falsch gesetzte Route das zweite Mal in eine Untiefe. Da ich selbst am Steuer stand, bekam ich die Rechnung postwendend. Ein auf der Stelle im Wind drehendes  Boot und einen endgültig genervten Skipper. Aufgrund der starken Strömung im Strelasund und des ernormen Windes trieben wir, stark krängend (sehr schräg) hin und her. Unter letzter Kraftanstrengung wurde das Schwert eingeholt (hier ging das wenigstens, da nur Sand unter uns) und das Boot wieder ins tiefere Wasser gebracht. Irgendwie haben wir das Boot ohne weitere Fehler und Zwischenfälle nach Stralsund in den Hafen gekriegt. Anlegen, Segelklamotten aus, abschließen, essen gehen. Vor lauter Aufregung und Anstrengung hatten wir vergessen, seit unserem Frühstück um 8 Uhr irgendetwas zu essen oder zu trinken. Jetzt liegt der angeschossene und schnupfengeplagte Skipper komatös in der Koje. Ich sitze im Cockpit, schreibe mir den Frust von der Seele und werde wohl trotz der Erschöpfung die Nacht nicht schlafen können.
Um zur Ruhe zu kommen, bleiben wir morgen in Stralsund. Vielleicht finden wir ja einen Laden, der (Papier-)Marinekarten vertreibt. Die Küsten von Meck-Pom und Bornholm sind an Bord, uns fehlen noch die Südküsten Schweden und Dänemarks. Vielleicht fürs nächste Jahr, ...  vielleicht für die nächsten Tage.
Der Wind bestimmt, wo es lang gehen wird. Und ab sofort auch wieder unser Verstand.
Wir lassen uns überraschen .

Marina Stralsund - angelegt und kein Boot zerstört :-))

Landratten

Am Dienstag stand echter Landurlaub auf dem Programm..
Ein ausgiebiger Spaziergang nach Kloster und weiter zum Leuchtturm Dornbusch, dem nördlichsten Punkt der Insel. Anschließend Einkauf in Vitte-City. Endlich mal wieder richtig beim Laufen auspowern - das ist das Einzige, was uns beim Segeln fehlt.
Hiddensee ist landschaftlich sehr schön und zur Zeit ... sehr voll. Zum Glück waren wir sehr früh gestartet. Belohnt wurde die Lauferei in Kloster mit Pfefferhering im Baguette bzw. Sandorn-Quarkkuchen - sehr lecker.
Viel gibt es nicht zu berichten, das Wichtigste erzählen die Fotos. Ergebnis des Tages: wir sind angenehm satt, gut ausgepowert und haben wieder eine volle Kühlbox. Leider ist Harry stark erkältet.

Der Hafen von Kloster
Hiddensee von Nord nach Süd

Fleißiges Brummerchen

Es gibt hier sehr widerspenstige Bänke!




Montag, 6. August 2012

Faul ...

... wie das Savannentier nach dem großen Fressen sollte dieser Tag werden. Kein Segeln, kein Basteln - Urlaub! Nur liegen, gucken, einschlummern, nett träumen, aufwachen, liegen ... ging aber irgendwie nicht.
Harry wollte den Liegetag im Hafen nutzen und aus den mitgebrachten Folien die Wetterschutzverkleidung fürs Cockpit (beim Ankern oder im Hafen) fertigen. Für die nächsten Tage ist neben starkem Wind auch immer Regen angesagt. Komisch, DER kommt bestimmt - genauso wie zuviel Wind. Als ob Wind allein nicht reichen würde ... , egal. Weiter im Text.
Da unsere Chemie heute mal wieder aus unterschiedlichen Regalen stammte, suchte ich das Weite. Im ortsansässigen Edeka in Vitte-City deckte ich uns mit ein paar frischen Sachen fürs Abendbrot ein. Basilikum, Salat, Schokolade (meins!!!) und Ciabatta fürs Frühstück. Leider waren alle Hiddensee-Urlauber, welche sonst am Strand liegen, auf die selbe Idee gekommen. Toll, Menschenmassen - ich habe sie nicht vermisst. Also trödelte ich zurück, knautschte mich in eine Bootecke und machte kurz einen auf Savanne. Ebook-Reader raus, zwei Seiten gelesen, drei Minuten geschlafen, lesen, schlafen und wieder von vorn. Harry kämpfte mit den Folien, bekam später meine helfenden Hände dazu und fertig ist die Kuchenbude (so heißt das Ding, vom Segelmacher gemacht, wirklich).



Da der Regen bereits kurz nach Mittag aufgehört hatte, trauten wir uns am späten Nachmittag an den Strand. Eine gute Idee. Kaum Badegäste, viel Wind und Wellen, viele interessante Steine, nette Telefonate nebenher, tolle Fotomotive im Abendlicht - bis der Hunger zu groß wurde.


Also zurück durch die Landschaft und ran an den Kocher.
Komisch, die einfachsten Gerichte schmecken an frischer Luft hundert Mal besser. Aus ein paar Nudeln, Tomatensoße, frischem Basilikum, viel frischem Parmesan, Salat mit Olivenöl und Balsamessig und lecker Rotwein wurde ein Festessen. Jetzt sitzen wir im Cockpit, der Wind wird immer stärker, am Horizont rasen die Wolken vor der untergehenden Sonne vorbei. Hach ja, wie schnell ist so ein bisschen "glücklich fühlen" herbeigezaubert.
Auf diesem Weg geht es also auch ...



Sonntag, 5. August 2012

Ums Eck geblasen

Der gestrige Tag steckt uns zwar noch in den Knochen, aber die Umsegelung von Kap Arkona ist eine Herausfordeurng, die uns aus der Koje holt. Wieder nur ein Kurz-Frühstück, Klarschiff gemacht und nachgetankt - die Windaussichten sind nicht berauschend. Wahrscheinlich müssen wir wieder viel motoren.

Aber wieder falsch vermutet, diesmal positiv für uns. Kaum raus aus dem geschützten Hafen, wehte uns kräftiger Wind um die Nase. Also Bug in den Wind, Segel hoch und los - geradewegs auf Kap Arkona zu. Je mehr wir in die Nähe des offenen Wassers kamen merkten wir, dass das heute nicht nur Spaß, sondern auch viel Arbeit wird. Der Wind nahm zu und steigerte sich auf 4-5 Beaufort, die Welllen hatten auch schon beeindruckende Höhen - für die Größe unseres Bootes.


Also hieß es für mich Rettungsweste an, das Rumturnen zwischen den Segeln könnte heute wacklig werden. Die Regenjacken bereitgelegt und beide Hände an die Ruderpinne. Mit durchschnitlich 5,5 Knoten (Seemeilen pro Stunde) rauschten wir aufs Kap zu und  - stolz daran vorbei.


Wind und Wellen waren hier draussen gut unterwegs. Die Wellen rollten von schräg hinten unterm dem Boot durch, der Wind kam aus Richtung Kap und trieb uns enorm vorwärts. Kurz vor der Einfahrt nach Hiddensee hatten wir beachtliche 7,4 Knoten drauf. Zum Beweis ein Screenshot vom Tablet-PC, der bis zur Einsatzbereitschaft des Plotters beim Navigieren hilft und im Bild oben links die aktuelle Geschwindigkeit anzeigt:


Obwohl wir früh dran waren, waren die Häfen auf Hiddensee schon gut gefüllt. Kein Wunder, ab morgen Mittag ist für die folgenden Tage Starkwind mit bis zu 7 Beaufort angesagt. Viele suchen jetzt die schützenden Häfen zum "Abwettern" auf, denn selbst in einer Bucht vor Anker liegend ist das nicht mehr lustig.
Aber wir sind noch ganz gut untergekommen, liegen in einer viel zu großen Hafenbucht in Vitte. Seit Mittag regnet es. Nicht schön, aber erträglich. Immerhin wurden wir die letzten vier Tage mit Sonne mehr als verwöhnt. Wir werden die folgenden Tage zum Ausruhen nutzen, zum Basteln am Boot, zum Einkaufen. Das eine oder andere Mal werden wir aber doch in die Bucht im Norden zwischen Rügen und Hiddensee segeln und ein bisschen Schwerwettersegeln üben - immer in Nähe des schützenden Inselbereiches, keine Sorge.

Hier noch ein Screenshot unseres heutigen Törns. So sieht die Seekarte aus, nach der wir, elektronisch und auf Papier (sicher ist sicher), segeln:


Vagabundenleben

... ein Leben, das uns gut gefällt. Jeden Abend in einem anderen Hafen, neu anpassen, sich zurecht finden. Aber das wird einem sehr leicht gemacht. Wie wir es schon in den "Gemeinden" der Motorradfahrer und der Bergkletterer kennengelernt haben, ist auch unter Seglern Solidarität selbstverständlich. Es sieht schon fast lustig aus: kaum fährst du in den Hafen, steht mindestens einer deiner neuen Nachbarn am Steg bereit, um dir beim Anlegen zu helfen. Und das liegt, bitte schön, nicht daran, dass wir so hilflos aussehen ...! Es ist Usus! Man kommt sofort ins Gespräch über woher und wohin, übers Wetter, die Boote, Häfen usw. Unkommunikative Menschen sollten nie in den Hafen fahren, sondern draussen vor Anker bleiben.

Heute (04.08.) umrunden wir die Südostspitze Rügens, um in den Nordosten, zu den Marinas Lohme oder Glowe, zu kommen. Wegen der Tourweite von mindestens 32 Seemeilen waren wir bereits um 7 Uhr aufgestanden und hatten uns nur ein karges Schnell-Frühstück mit einer Tasse Kaffee und ein paar Keksen gegönnt. Geplant waren vom Wetterbericht und uns für den Vormittag noch 3 Beaufort Windstärke. Da hatten wir wohl wieder zuviel gehofft. Die See ist platt wie ein Laken, ich sitze sogar mit dem Laptop im Cockpit, während ich die ersten Zeilen hier schreibe.



Schönstes Sommerwetter, die Menschen hinter uns am Strand braten in der Sonne - und wir unter Motor und kaum einem Hauch Wind an Deck. Zeit, um das Frühstück nachzuholen: Käsebrote, Wasser und Grillwetter für die Haut. Sonnencreme Stärke 50 ist angemessen.



Vorbei an den Ostseebädern Sellin und Binz, umrundeten wir die Schiffe, welche in Reede vor Sassnitz lagen:


Kurz danach sahen wir das große Ziel - die Kreidefelsen von Rügen:


Was für ein Erlebnis! Was für ein Wetter! Ein bisschen mehr Wind wäre schön gewesen, aber dieser Anblick hat selbst langes Motoren entschädigt.
Danach noch zweimal um die Ecke, da kam sogar noch ein wenig Wind auf und wir wurden noch einen Hafen weiter "geblasen". Somit machten wir am Abend Station in Glowe. Der beste Ausgangspunkt, um am Folgetag Kap Arkona zu umrunden.
Glowe hat einen kleinen versteckten, aber sehr modernen Hafen. Hier trafen wir wieder alte Bekannte aus dem Hafen in Gager und beendeten den Abend bei Aperol-Spritz und Rotwein in gemütlicher Runde auf ihrer 12m-Yacht.



Samstag, 4. August 2012

Durch luftleeren Raum

Aufstehen bei sonnigem Wetter, der Wind bläst dir angenehm um die Nase, Lust auf Frühstück und Segeln.
Schnell sind wir fertig und verlassen für den Rest des Urlaubs die Marina Neuhof. Frohen Mutes und mit Wind im Wetterversprechen segeln wir den Strelasund ostwärts. Die Richtung ist gut, mit Raumwind (von schräg hinten) kommen wir ganz gut voran. Immerhin haben wir heute den ersten längeren Schlag vor uns. Von Neuhof nach Gager auf Rügen, rund 20  Seemeilen - ich sehe die Seebären grinsen. Für uns Wannseepiraten ist das viel.
Und plötzlich ist der Wind weg. Von jetzt auf gleich, von 3 Beaufort auf 0. Wir versuchen noch ganz sportlich, aus dem kleinsten Hauch noch Energie fürs Boot herauszuholen und geben doch irgendwann auf. Was für eine Schmach, so kurz vorm Greifswalder Bodden. Den müssen wir noch komplett überqueren. Also Motor ins Wasser abgesenkt und angeworfen - mit aller Hoffnung auf den weiten Bodden und damit mehr Wind. Nach einer dreiviertel Stunde sind wir erlöst und kommen mit Am-Wind-Kurs (Wind von schräg vorn) und 3-4 Beaufort gut weg. Wir sind begeistert - das Wetter ist fantastisch, der Wind stimmt, die Laune steigt. Als wir das letzte Mal hier waren (zum Ausbildungstörn für den Seeschein), hatten wir Wellen bis 2m Höhe und Wind von 6-9 Beaufort. Sehr unangenehm.
Heute passt alles. Am Nachmittag laufen wir unter Motor im schon gut gefüllten Hafen ein.  In der Nachmittagssonne laufe ich mit bester Laune zum Hafenmeister, Liegegebühr bezahlen. Für 14 Euronen darf man ein Boot unserer Größe (7,60m) im Hafen liegen lassen, Strom und Wasser tanken, Duschen und WCs benutzen. Das ist ganz OK. Während Harry Siesta hält, gehe ich auf Fotosafarie. Eine Auswahl seht ihr leider erst später. Da hier im Hafen das Netz "gerade so" Edge anbietet, bekomme ich den Blog nicht hochgeladen. Mal sehn, wann ich ihn loswerde :-)
Morgen (04.08.) geht es um den südöstlichen Zipfel von Rügen herum bis hoch nach Lohme. Am Sonntag wollen wir Kap Arkona bestaunen - das erste Mal vom Wasser aus - und danach auf Hiddensee 2 Tage Landurlaub machen. Für Montag und Dienstag ist Wind bis 7 Beaufort angesagt. (Noch) Nichts für uns und unser Boot.

Impressionen aus Gager:


 
 

Donnerstag, 2. August 2012

Zu gut

Kennt ihr das auch: wenn alles zu gut läuft, wird man stutzig?! Mir ging es heute jedenfalls so.
Nach dem gestrigen, völlig unspektakulären, Transport und diesem Ausnahmeglück mit dem Wetter gebe ich mich nicht zufrieden. Meine erste Frage heute, als ich nach tiefem Urlaubsschlaf erwachte, war: wo ist her der Haken? Ein Blick durch das Luk über dem Bett vermeldete blauen Himmel und Sonnenschein, der interne Wärmemelder lief schon auf Hochtouren. Ostsee-Traumwetter, denn trotz alledem hatten wir ordentlich Wind. Also raus aus der Koje und ran ans Frühstück machen. Die Sonne war schon so schwer am schuften, dass wir drinnen essen wollten. Ein verbrannter Pelz zu Urlaubsbeginn ist unpraktisch.
Nachdem der Tisch leer war, musste dringend das Logbuch eingeweiht werden. Erst die Grunddaten zum Boot, dann zur Besatzung, anschließend die einzelnen Tage.


Nach einem langen, aber wegen der Wärme nicht so ausgiebigem Frühstück und der Schreibarbeiten wurde das Boot klargemacht. Dazu gehört jedes Mal:
alle Leinen-Enden, die später zum Segeln gebraucht werden, lösen und in den Niedergang werfen. So vermeidet man Leinen-Kuddelmuddel, wenn das Ende schnell durchlaufen muss. Die Persenning des Großsegels öffnen (die dunkelblaue "Verpackung" auf dem Baum), Kurbeln für die Winschen bereitlegen (das sind die Umlenkrollen, mit welchen man die Segel dichter holen kann, wenn die Handkraft nicht mehr ausreicht - dazu braucht man noch den Kurbelaufsatz), Bootshaken bereitlegen, das Ablegen durchsprechen und die Aufgaben untereinander sinnvoll aufteilen. Dann noch mal ein Rundblick auf das gesamte Deck, ob nicht noch etwas liegengelassen wurde - und los.
Wir hatten heute wirklich super Bedingungen. Wind mit Stärke 4-5 (das gibt ordentlich zu tun), Sonne satt und wieder ein fast leeres Fahrwasser.



Da wir noch andere Dinge auf dem Tagesprogramm hatten, waren wir nur 4 Stunden unterwegs. Eine Siesta im Cockpit nach Hafenrückkehr war auch noch eingeplant. Aber Spaß war auch so genug:


Zurück im Hafen von Neuhof wurde auf Gemütlichkeit gesetzt. Bimini raus, Kissen raus - Siesta:


Als ein Gewitter aufzog, verkrümelten wir uns ins Auto und fuhren nach Stralsund. Wir brauchten dringend frische Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Brot. Als wir zurückkamen, war von Gewitter weit und breit nichts zu sehen, kein Regen, nur ein paar Wolken. Dafür lag der Hafen in einer schönen Abendstimmung, Zeit für die Fotografierwütigen:


Zum Tagesabschluss - wir sitzen nach einem guten Essen aus der eigenen Pantry im Cockpit und genießen einfach die Ruhe der absolut platten See - der Sonnenuntergang des Tages:

Das mit dem geraden Horizont bekomme ich noch hin ...

Hin und weg

Was habe ich mich wegen des Bootstransports verrückt gemacht. Allein schon wegen der mangelnden Erfahrung aller Beteiligten. Immerhin haben wir dieses Boot erst seit nicht mal einem Jahr - aber im Wasser. Das Auskranen ins Winterlager hat die Werft allein gemacht. Gut, das Auskranen jetzt auch, aber ab diesem Moment waren wir wie echte Skipper auf uns allein gestellt. Drei Wochen Zeit für mich, mir genügend Sorgen zu machen - ganz der Vater :-)
Und dann war alles so einfach; lief alles so gut, wie es besser nicht hätte laufen können.
Wie bekomme ich ein Boot vom Süß- ins Salzwasser? Der gestrige Tag in bunten Bildern: 

1. Du hängst den Trailer (möglichst mit Boot drauf) an das Auto deines guten Freundes (Bernd: DANKE!):


2. Fährt gemütlich mit 80-90 km/h (gääähhhn) auf der Autobahn, verfolgt von deinem eigenen Auto, was die Sache von hinten kontrolliert:



3. Gönnst dir eine Pause, um wieder wach zu werden (80km/h sind einfach nur tödlich)

Unser Fahrzeug-Treck inkl. dem weltbesten Bernd

4. Stellst das Boot - nachdem du die falsche Autubahnabfahrt genommen hast und mit dem Bootstrailer am Hintern durch die Dorflandschaften von Meck-Pom getreckert bist - im Hafen ab:

Angekommen - Marina Neuhof, östlich von Stralsund

5. Lässt es vom bestimmt lustigsten Hafenmeister der Ostsee an den Haken nehmen:


6. Hilfst dem Hafenmeister beim Transportband verseilen, weil er selbst dafür zu kurz ist :-) :



7. Zum Dank legt er dir das Boot sanft ins Ostseewasser - Touchdown!:




8. Anschließend belohnst du dich mit einem Ostsee-Weizen.

Wir bekamen sehr originelle Bierdeckel (siehe Foto).
Eigentlich eine gute Idee. Hast du zuviel getankt, schnappst du dir mit patschiger Hand deinen Bierdeckel und findest trotz umnebelten Hirns locker nach Hause. Man könnte auch VOR dem Biergenuss seinen Heimatort ankreuzen und die Karte dann helfenden Mitbürgern unter die Nase halten ... anscheindend eine Idee der erfindungsreichen Landbevölkerung :-)))









Nach der kurzen Stärkung haben wir das gesamte Deck wieder ausgepackt, das Boot mit allen Leinen und Segeln klargemacht und einen kurzen ersten Schlag in Richtung Greifwalder Bodden gewagt. Es war ein Traum: gleichmäßiger Wind der Stärke 3 bis 4, purer Sonnenschein, fast allein auf dem Wasser, endlos lange Fahrten mit der gleichen Segelstellung.

Bernd hat sich nach vorn in den Bug gesetzt und die Ostsee und diesen schönen Tag einfach auf sich wirken lassen. Ich muss eigentlich nicht erwähnen, dass er hinterher sehr entspannt aussah ...
Dieser kleine Dreistundentrip war eine schöne Belohnung für die stressige Vorbereitungszeit, den aufregenden Anfahrtstag und  ... überhaupt :-)
Wir fühlen uns von der Ostsee recht herzlich empfangen ... besser können die Bedingungen nicht werden. Also geniessen wir dieses Traumwetter bis zum Umschlagen und tanken Sonne, Ruhe und Kraft.



Ein letzter Belohnungsblick für alle? Bitteschön: